JavaOne 2016

Konferenzen sind der ideale Ort, um aus dem Entwickler-Alltagsgeschäft auszubrechen und wieder mal ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Hype-Wellen gerade über das Ökosystem rollen oder gerollt werden. Die diesjährige JavaOne 2016 in San Francisco – das ist die Oracle-Hauskonferenz – machte hier keine Ausnahme und ein Blick auf die Agenda der angebotenen Sessions und Tutorials zeigte deutlich die angesagten Schlüsselworte: Cloud, Microservices, Reactive Programming sowie IoT.

Etwas abseits des Mainstreams hatte ich das Vergnügen, eine Session gestalten zu dürfen: “jQAssistant: Verify Your Design and Architecture“. In dieser lagen die Schwerpunkte einerseits auf der Einführung in Philospohie und Funktionsweise des Werkzeugs, insbesondere aber in der Modellierung von Architekturkonzepten in Codestrukturen bzw. deren Abbildung im Graphen sowie der Formulierung von Regeln in ausführbarer Dokumentation (Asciidoc) für Entwickler. Das unmittelbare Feedback war sehr positiv, insbesondere der letzte Aspekt stieß wiederum auf sehr reges Interesse. Dieser zeigt einen gangbaren Weg auf, die zwar gebräuchlichen, aber naturgemäß stets veralteten Wiki-Seiten bzw. Word-Dokumente abzulösen.

Ich konnte insgesamt nur zwei volle Tage vor Ort sein. Einen Abend davon nutzte ich, um jQAssisant bei der Neo4j-Meetup-Group von San Francisco vorzustellen. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Exploration bestehender Anwendungsstrukturen sowie der Gewinnung bzw. Bewertung individueller Metriken.

Leider konnte ich die Keynote der JavaOne mit den sehnsüchtig erwarteten Aussagen zur Zukunft von Java EE nicht besuchen. Das Ergebnis ist mittlerweile bekannt: es gibt ein Commitment zum Standard, Java EE 8 soll Ende 2017 verabschiedet werden und stellt im Wesentlichen eine Auffrischung mit kleineren (Configuration) und ausbleibenden Ergänzungen (MVC) dar. Zwischenzeitlich wird bereits an Java EE 9 gearbeitet, welches – wie die Gerüchteküche es im Vorfeld auch bereits vermutete – eine Neuausrichtung wagt und ein reaktives Programmiermodell anvisiert. Interessant ist dabei der Zeitplan: das Ergebnis soll bereits ein Jahr später verabschiedet werden, was selbst ein Oracle-Mitarbeiter in einem persönlichen Gespräch als zu ambitioniert und unrealistisch einschätzte. Wer den Spezifikationsprozess über die Jahre verfolgt hat, kann diese Auffassung bestätigen. Es ging Oracle offensichtlich erst einmal darum, ein Signal für Java EE zu senden und das sollte trotzdem gelungen sein.

Parallel dazu war deutlich erkennbar, dass man sehr bemüht ist, den Boden für eine hohe Akzeptanz des kommenden Java 9 zu bereiten. Es wurden viele Sessions angeboten, die sich den neuen Features (z. B. JShell) und der wahrscheinlich “heißesten” Änderung widmete: der Modularisierung mit Project Jigsaw und den damit ggf. verbundenen Inkompatibilitäten bei der Migration bestehender Anwendungen. Es wurde auffallend oft (aber zurecht) betont, welchen Stellenwert eine auf Stabilität orientierte Weiterentwicklung hat und dass bisher keine bereitgestellte Funktionalität entfernt wurde. Mit Java 9 wird hier allerdings, wenn auch sehr langsam, ein Paradigmenwechsel eingeleitet: um eine Modularisierung der Plattform zu ermöglichen, wurden 6(!) public-Methoden entfernt. Es wurde deutlich gemacht, dass sich der Prozess des Entsorgens von Altlasten in kommenden Versionen fortsetzen wird. Das wurde insbesondere in einer Fragestunde unter dem Titel “Meet the JDK architects” (mit Mark Reinhold, John Rose und Brian Goetz) sehr deutlich. Diese Session war überhaupt sehr aufschlussreich und unterhaltsam, weil zuweilen mit recht trockener Ironie argumentiert wurde. Getrieben durch Fragen von Entwicklern wurde klar, welche Werte bei der Weiterentwicklung von Plattform und Sprache eine Rolle spielen: Stabilität und ein nachweisbarer Mehrwehrt für neue Features. Die Untersützung von Ahead-Of-Time-Compilation oder Currying wurden unter letzterem Betrachtungswinkel als klar “Low-Priority” deklariert, währenddessen eine Verringerung des Overheads beim Thread-Handling in Aussicht gestellt wurde, um reaktiven Programmiermodellen bzw. entsprechenden Frameworks entgegenzukommen. Die Antwort auf die Frage nach dem “biggest regret” in der Geschichte von Java war übrigens wenig überraschend “Serialization”, verbunden mit der Aussage, dass der aktuelle Mechanismus die mit Abstand meisten Security-Issues verursacht hat…

Im Hinblick auf die Agenda der Konferenz möchte ich abschließend noch auf eine kleine Wahrnehmung am Rande hinweisen: es gab bekanntermaßen vor nicht allzu langer Zeit Spekulationen über eine möglicherweise unsichere Zukunft von JavaFX. Dem entgegen stand aber eine spürbare Menge der JavaOne-Sessions, die sich diesem Thema widmeten. Ähnlich optimistisch fiel dazu auch die Einschätzung in einem Panel zu RIA-Technologien aus, in welcher u. a. auch JavaFX als Basis für Cross-Plattform-Entwicklung im Bereich mobiler Geräte diskutiert wurde.

Slides zu meiner Session:
jQAssistant: Verify Your Design and Architecture (PDF)

Impressionen zur JavaOne 2016 in San Francisco:

ng-week: </> + ()-[]->() = b+

Unsere diesjährige Projektwoche stand ganz im Zeichen von JavaScript und Cypher. Wir wollten gemeinsam eine Anwendung entwickeln, die im Frontend auf AngularJS setzt und zur Datenhaltung eine Neo4J-Graphdatenbank verwendet. Die Anwendung sollte dabei ohne (Java-)Backend auskommen. Um das Ergebnis kurz vorwegzunehmen: Das hat super funktioniert!

Als Anwendungsfall diente eine klassische Adressverwaltung: Personen stehen mit Organisationen in Beziehung, Personen besitzen Kontaktdaten, Organisationen haben kontextabhängige Adressen, Personen finden sich in Empfängerlisten für Marketing-Aktionen wieder und vieles mehr. Die Modellierung dieser Beziehungen als Graph ist sehr intuitiv und hat uns gute Dienste als Diskussionsgrundlage geleistet.

Die technische Umsetzung blieb nicht ohne Herausforderungen. Es zeigte sich sehr schnell, dass das Rest-API der Neo4j-DB nicht auf die $resource Abstraktion von AngularJS passt. Auch mit dem $http-Service haben wir uns schwer getan. Wir hätten beinahe einen HATEOAS-Transformer implementiert, wäre nicht Peter – der erst später zu uns stieß – mit der Frage ins Haus gefallen, warum wir nicht den JavaScript-Treiber der Neo4j-DB verwenden. Eine kurze Evaluierung des APIs ergab: Das müsste gehen! Obwohl eine frühe 1.0, erwies sich der Treiber überaus stabil und weitgehend erwartungskonform.

Der JavaScript-Teil hat bei mir gemischte Gefühle hinterlassen. Das Bootstrapping der Anwendung mittels AngularJS war in wenigen Minuten erledigt. Allerdings ein Build-System aufzubauen, wo alle Ressourcen am Ende automatisch an der richtigen Stelle landen, hat mich viel fluchen lassen. Plugins für Grunt scheinen durchweg nichts von Fehler-Reporting zu halten. Eine Inkompatibilität zwischen grunt-usemin und grunt-angular-file-loader war so nur durch Raten zu finden.

Eine weitere Spitzfindigkeit zeigte sich in der Integration des Neo4j-Treibers mit AngularJS. Beide Frameworks setzen auf Promises – allerdings in verschiedenen Implementierungen. Der Neo4j-Treiber nutzt eine eigene, an ES6 angelehnte Implementierung, während AngularJS mit $q einen Service hat, der an den Digest-Zyklus des Frameworks gekoppelt ist. Die Folge war, dass Ergebnisse aus Datenbank-Abfragen nie unmittelbar angezeigt wurden. Peter – diesmal der, der von Anfang an dabei war – konnte den gordischen Knoten zerschlagen. Die von ihm etablierte Verwendungsweise von $q kannte ich bis dato nicht.

Als Fazit lässt sich festhalten: Keiner hat das Java-Backend vermisst. Wir haben uns durch JavaScript, AngularJS, NPM, Grunt, Bootstrap, Less, Neo4j und Cypher gekämpft und selbst alte Hasen konnten dabei noch neue Tricks dazulernen. Wir haben einen funktionsfähigen Prototyp implementiert, deren Fertigstellung im Wesentlichen jetzt nur noch Fleißarbeit ist. Auf unsere Zusammenarbeit und das erzielte Ergebnis können wir durchaus stolz sein.

Mit jQAssistant auf der
JavaOne Latin America 2016

In den vergangenen Monaten war Dirk auf einigen europäischen IT-Konferenzen unterwegs, um zum Thema Software-Analyse mit jQAssistant zu sprechen. Wir berichteten z. B. von der GeeCON 2016 in Krakau und von den Software Quality Days in Wien. Nun musste etwas Abwechslung her – die Nachricht aus Brasilien kam wie gerufen: “Congratulations! You have been identified as a speaker for the upcoming Oracle JavaOne Latin America 2016 conference in Sao Paulo, Brazil.” So reiste Dirk vom 27. – 30. Juni 2016 nach São Paulo und sprach am 28. Juni zum Thema “Yes We Scan! Software Analysis Using jQAssistant And Neo4j”. Was er auf der JavaOne erlebte, schreibt er im Blog auf jqassistant.org.

Slides als PDF:
Yes We Scan! Software Analysis Using jQAssistant And Neo4j (PDF)

Fotos zur JavaOne Latin America 2016:

Neuer Workshop:
jQAssistant – Getting Started!

logo_jqa_lang_dunkel_rgbNeben unseren Consulting-Leistungen zu jQAssistant bieten wir ab sofort einen Einsteiger-Workshop an, für alle, die jQAssistant als Werkzeug kennen lernen möchten. Dirk Mahler – Trainer und Initiator von jQAssistant – zeigt Ihnen, wie das Kommandozeilen-Werkzeug bzw. das Maven-Plugin zum Einlesen von Artefakten und Projekten eingesetzt werden kann, Abfragen auf den Datenstrukturen interaktiv ausgeführt und Design- und Architektur-Konzepten validiert werden können. Der Workshop findet vom 22. – 23. August in Dresden statt und richtet sich an Entwickler und QA-Ingenieure mit fortgeschrittenen Kenntnissen in Java und grundlegendem Know-how in Apache Maven.

Aktuell können Sie den Workshop zum Starterpreis buchen. Detaillierte Informationen und das Anmeldeformular finden Sie auf unserer Seminarseite:
jQAssistant – Getting Started!

Wenn Sie regelmäßig über jQAssistant informiert werden möchten, können Sie den Newsletter abonnieren oder uns per Twitter folgen:
Anmeldung jQAssistant Newsletter
@jqassistant

Dev-Blog:
https://jqassistant.org

Architekturberatung:
http://jqassistant.de

Fragen rund um jQAssistant:
Dirk Mahler (info@jqassistant.de)

buschmais ist Premium-Sponsor des JUG Saxony Day 2016

JSD_Sponsor_2016

Am 30. September findet der JUG Saxony Day 2016 im Radisson Blu Park Hotel & Conference Centre in Radebeul bei Dresden statt. Die eintägige Konferenz des JUG Saxony e.V. bietet für die regionale Java-Community eine gute Plattform für Wissensaustausch und Networking und findet bereits zum dritten Mal in Folge statt. Neben der spannenden Keynote “Prepare for JDK 9!” von Dalibor Topic hält das Konferenzprogramm noch 25 interessante Fachvorträge für die Teilnehmer bereit, aufgeteilt in 5 parallele Tracks: Prozess, Architektur, Java Technologie, Enterprise und Specials.

Die Konferenz erfährt große Resonanz und gewinnt stetig an neuen Fans aus der Java-Community. Wir freuen uns, als Premium-Sponsor des JUG Saxony Days 2016 mit einem Ausstellerstand vor Ort sein zu können und blicken gespannt auf einen interessanten und erlebnisreichen Konferenztag.

Wer sich den JUG Saxony Day 2016 nicht entgehen lassen möchte, bekommt weitere Informationen zum Programm und zur Ticketbuchung auf der Veranstaltungsseite.

Tipp: Bis zum 15. Juli gibt es noch Early Bird Tickets.

 1 2 3 4 5 6 ... 18 19 20 Vor